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Michelangelo Buonarroti – Mein Leben, meine Werke, mein Vermächtnis

Die entstehung adams zwei hände die sich berühren

Ingo Hamm |

 

28. August 2026

Ich bin Michelangelo Buonarroti – Bildhauer, Maler, Architekt und Dichter und einer der bekanntesten Künstler der Renaissance. Mein David, die Pietà und die Fresken der Sixtinischen Kapelle gehören heute zu den berühmtesten Kunstwerken der Welt. Doch hinter diesen Werken steht ein Leben voller Arbeit, Konflikte, mächtiger Auftraggeber, religiöser Fragen und einer beinahe kompromisslosen Beziehung zur Kunst. Begleite mich durch Florenz und Rom, entdecke meine wichtigsten Werke und erfahre, an welchen Orten meine Kunst noch heute zu sehen ist.

Du möchtest Michelangelo nicht nur kennenlernen, sondern seine Welt erleben?

Florenz, die Medici, der David, Leonardo, Raffael, Papst Julius II. und die Sixtinische Kapelle: In meiner historischen Geschichte wird aus den überlieferten Stationen Michelangelos das Leben eines Mannes, der sein Leben lang gegen Stein, Grenzen, Auftraggeber und schließlich gegen die eigene Vergänglichkeit kämpft.

→ Michelangelo – Zwischen Stein, Zorn und Gott: die historische Geschichte lesen

Meine Herkunft und frühen Jahre

Mein Name ist Michelangelo Buonarroti . Ich wurde am 6. März 1475 in Caprese in der Toskana geboren.

Mein vollständiger Name lautet Michelangelo di Lodovico Buonarroti Simoni. Meine Familie gehörte zu einem alten Florentiner Geschlecht, war jedoch längst nicht mehr so wohlhabend, wie es der gesellschaftliche Anspruch meiner Familie vermuten ließ.

Mein Vater Lodovico Buonarroti wollte für mich ursprünglich eine gesellschaftlich angesehene Laufbahn. Künstler und Handwerker besaßen in den Augen vieler Familien nicht denselben sozialen Rang wie Juristen, Kaufleute oder Beamte.

Doch ich wollte zeichnen, malen und vor allem Stein bearbeiten.

Meine Mutter Francesca di Neri del Miniato di Siena starb, als ich noch ein Kind war. Zeitweise lebte ich bei einer Amme in Settignano, einer Gegend, die für ihre Steinbrüche und Steinmetze bekannt war.

Später scherzte ich selbst darüber, ich hätte die Liebe zum Hammer und Meißel bereits mit der Milch meiner Amme aufgenommen.

Meine Ausbildung bei Domenico Ghirlandaio

Mit etwa 13 Jahren trat ich in die Werkstatt des Malers Domenico Ghirlandaio in Florenz ein.

Dort lernte ich Freskomalerei, Zeichnung, Komposition und die Organisation einer großen Renaissance-Werkstatt.

Eine solche Werkstatt war Schule, Arbeitsplatz und Produktionsbetrieb zugleich. Meister, Gesellen und Lehrlinge arbeiteten gemeinsam an großen Aufträgen. Für einen jungen Künstler bedeutete dies harte Arbeit, aber gleichzeitig den Zugang zu Wissen, Materialien und bedeutenden Auftraggebern.

Lorenzo de’ Medici und der Garten von San Marco

Mein Talent fiel bald auf. Ich gelangte in das Umfeld von Lorenzo de’ Medici , genannt Lorenzo il Magnifico.

In einem von den Medici geförderten Umfeld konnte ich antike Skulpturen studieren. Gleichzeitig begegnete ich Dichtern, Philosophen und Humanisten.

Kunst bedeutete hier nicht nur handwerkliche Fähigkeit. Sie wurde mit antiker Philosophie, Literatur und neuen Vorstellungen vom Menschen verbunden.

Zu meinen bedeutendsten frühen Arbeiten aus dieser Zeit gehören die Madonna an der Treppe und die Schlacht der Kentauren.

Beide Werke befinden sich heute in der Casa Buonarroti in Florenz .

Meine Liebe zum Marmor

Obwohl ich malte und später große Gebäude entwarf, betrachtete ich mich selbst in erster Linie als Bildhauer.

Marmor war für mich kein lebloser Stein. Ich glaubte, dass sich die Figur gewissermaßen bereits im Block befand und von mir befreit werden musste.

Deshalb arbeitete ich häufig direkt am Stein. Hammer, Spitzeisen und Meißel wurden zu meinen wichtigsten Werkzeugen.

Einige meiner späteren Skulpturen ließ ich bewusst oder aus Umständen unvollendet zurück. Gerade diese sogenannten Non-finito-Werke wirken heute so, als würden menschliche Körper unmittelbar aus dem Marmor entstehen.

Meine berühmtesten Werke

Meine Bildhauerarbeiten

  • David (1501–1504) – Eine monumentale Marmorskulptur und später ein Symbol der Republik Florenz.
  • Pietà (1498–1499) – Maria hält den toten Christus in ihren Armen. Das Werk befindet sich heute im Petersdom.
  • Moses – Teil des Grabmals für Papst Julius II. in San Pietro in Vincoli in Rom.
  • Sterbender Sklave – Heute im Louvre in Paris.
  • Rebellischer Sklave – Ebenfalls heute im Louvre.
  • Gefangene / Prigioni – Mehrere unvollendete Figuren befinden sich heute in der Galleria dell’Accademia in Florenz.
  • Bacchus – Eine meiner frühen mythologischen Skulpturen.
  • Brügger Madonna – Maria mit dem Jesuskind, heute in der Liebfrauenkirche in Brügge.
  • Rondanini-Pietà – Eines meiner letzten Werke, an dem ich noch kurz vor meinem Tod arbeitete.

Meine Malereien

  • Decke der Sixtinischen Kapelle (1508–1512) – Eine monumentale Folge biblischer Szenen.
  • Die Erschaffung Adams – Eines der berühmtesten Bilder der Kunstgeschichte.
  • Das Jüngste Gericht (1536–1541) – Monumentales Fresko an der Altarwand der Sixtinischen Kapelle.
  • Doni-Tondo – Darstellung der Heiligen Familie, heute in den Uffizien in Florenz.

Meine Architektur

  • Petersdom in Rom – Als leitender Architekt prägte ich entscheidend die spätere Gestalt der Basilika und den Entwurf ihrer Kuppel.
  • Laurentianische Bibliothek in Florenz – Besonders berühmt für ihren Vestibül- und Treppenentwurf.
  • Piazza del Campidoglio in Rom – Neuordnung eines der wichtigsten Plätze Roms.
  • Sagrestia Nuova der Medici-Kapellen – Architektur und Skulptur verschmelzen hier zu einem Gesamtkunstwerk.
  • Porta Pia in Rom – Eines meiner späten Architekturprojekte.

Meine Pietà – Marmor wird zu Haut

Als junger Künstler erhielt ich in Rom einen Auftrag, der meinen Ruf entscheidend verändern sollte.

Der französische Kardinal Jean de Bilhères beauftragte mich mit einer Pietà für seine Grabkapelle.

Aus einem einzigen Block Carrara-Marmor schuf ich Maria mit dem toten Christus auf ihrem Schoß.

Ich war erst Anfang zwanzig.

Die polierte Oberfläche des Marmors sollte beinahe wie menschliche Haut wirken. Stoff, Körper und Haare sollten sich trotz des harten Materials weich und lebendig anfühlen.

Die Skulptur ist außerdem das einzige Werk, das ich sichtbar signierte.

Sie befindet sich heute im Petersdom in Rom .

Mein David – aus einem aufgegebenen Marmorblock

Im Jahr 1501 erhielt ich in Florenz einen außergewöhnlichen Auftrag.

Ein riesiger Marmorblock, an dem andere Bildhauer bereits gearbeitet hatten, lag seit Jahrzehnten weitgehend ungenutzt.

Aus diesem schwierigen Stein sollte ich David erschaffen.

Anders als viele frühere Darstellungen zeigte ich ihn nicht nach dem Sieg über Goliath, sondern unmittelbar vor dem Kampf.

Sein Körper ist angespannt. Der Blick konzentriert. Die Schleuder liegt beinahe unscheinbar über seiner Schulter.

1504 beriet eine Kommission bedeutender Künstler darüber, wo meine Statue aufgestellt werden sollte. Zu dieser Gruppe gehörten unter anderem Leonardo da Vinci und Sandro Botticelli .

Der David wurde schließlich vor dem Palazzo Vecchio aufgestellt und entwickelte sich zum Symbol für Kraft und Unabhängigkeit der Florentiner Republik.

Heute steht das Original in der Galleria dell’Accademia in Florenz .

Leonardo da Vinci und ich – zwei Genies, zwei Charaktere

Leonardo da Vinci war fast eine Generation älter als ich. Trotzdem arbeiteten wir zeitweise gleichzeitig in Florenz.

Unsere künstlerischen Temperamente waren sehr unterschiedlich. Leonardo untersuchte Atmosphäre, Licht, Natur und fließende Übergänge. Ich suchte Kraft, Körper, Spannung und monumentale Form.

Im Palazzo Vecchio sollten wir sogar gegenüberliegende Wandbilder schaffen: Leonardo die Schlacht von Anghiari und ich die Schlacht von Cascina.

Beide Projekte wurden letztlich nicht als fertige Wandbilder erhalten. Doch die vorbereitenden Entwürfe wurden für Künstler der folgenden Generation zu wichtigen Studienobjekten.

Mehr über meinen berühmten Zeitgenossen: Leonardo da Vinci – Leben, Werke und Erfindungen .

Papst Julius II. und das Grabmal, das mein Leben verfolgte

Einer meiner mächtigsten Auftraggeber war Papst Julius II. .

Er plante ein monumentales Grabmal, das zu einem der größten Skulpturenprojekte seiner Zeit werden sollte.

Ich begann voller Begeisterung mit dem Projekt. Doch Pläne änderten sich, Geld wurde für andere Bauvorhaben benötigt und der Auftrag wurde mehrfach verkleinert.

Über Jahrzehnte belastete mich dieses Projekt. Ich bezeichnete die Angelegenheit später sinngemäß als eine Tragödie meines Lebens.

Ein berühmter Bestandteil des schließlich wesentlich kleineren Grabmals ist mein Moses.

Er befindet sich heute in der Basilika San Pietro in Vincoli in Rom .

Die Sixtinische Kapelle – ein Auftrag, den ich eigentlich nicht wollte

1508 erhielt ich von Julius II. einen Auftrag, der mein Leben erneut verändern sollte.

Ich sollte die Decke der Sixtinischen Kapelle ausmalen.

Dabei verstand ich mich selbst in erster Linie als Bildhauer. Ein gigantisches Deckenfresko war nicht das Projekt, das ich mir ausgesucht hätte.

Ursprünglich war ein wesentlich kleineres Programm vorgesehen. Doch schließlich entstand eine der komplexesten Bildwelten der Renaissance.

Zwischen 1508 und 1512 schuf ich auf der Decke hunderte Figuren.

Im Zentrum stehen Geschichten aus dem Buch Genesis:

  • Die Scheidung von Licht und Finsternis
  • Die Erschaffung von Sonne, Mond und Pflanzen
  • Die Scheidung von Wasser und Land
  • Die Erschaffung Adams
  • Die Erschaffung Evas
  • Der Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies
  • Die Sintflut
  • Das Opfer Noahs
  • Die Trunkenheit Noahs

Die Erschaffung Adams

Unter all den Figuren der Sixtinischen Decke wurde eine Szene besonders berühmt: Die Erschaffung Adams.

Gott und Adam strecken ihre Hände zueinander aus. Ihre Finger berühren sich beinahe, aber nicht vollständig.

Genau dieser kleine Zwischenraum wurde später zu einem der bekanntesten Motive der westlichen Kunstgeschichte.

Das Bild zeigt nicht nur einen Körper. Es verdichtet eine religiöse Vorstellung: den Augenblick, in dem göttliches Leben auf den Menschen übertragen wird.

⛪ Wie freiwillig war die Sixtinische Kapelle?

Ich war ein berühmter Künstler – aber Julius II. war Papst, Herrscher und einer der mächtigsten Männer Europas.

Der Auftrag für die Decke der Sixtinischen Kapelle zeigt deshalb sehr deutlich, wie kompliziert das Verhältnis zwischen Künstler und Auftraggeber in der Renaissance sein konnte.

Ich wollte mich eigentlich auf die Bildhauerei und besonders auf das Grabmal Julius’ II. konzentrieren. Trotzdem wurde ich mit der Bemalung der Decke beauftragt.

Gleichzeitig erhielt ich innerhalb des Projekts erheblichen künstlerischen Gestaltungsspielraum. Aus einem ursprünglich wesentlich einfacheren Programm entwickelte sich eine monumentale Bildwelt.

Wo endet ein Auftrag und wo beginnt Zwang, wenn der Auftraggeber gleichzeitig religiöse, politische und wirtschaftliche Macht besitzt?

Und kann gerade aus diesem Spannungsverhältnis trotzdem außergewöhnliche künstlerische Freiheit entstehen?

Das Jüngste Gericht

Mehr als zwanzig Jahre nach der Decke kehrte ich in die Sixtinische Kapelle zurück.

Auf der Altarwand schuf ich zwischen 1536 und 1541 das Jüngste Gericht.

Im Zentrum steht Christus als mächtige, beinahe furchteinflößende Gestalt. Um ihn herum steigen die Geretteten empor, während andere Menschen in die Tiefe gezogen werden.

Das Werk löste schon zu meiner Zeit Diskussionen aus. Besonders die zahlreichen nackten Körper wurden von Kritikern als unangemessen für eine päpstliche Kapelle betrachtet.

Nach meinem Tod wurden Teile der Nacktheit übermalt.

2026 wurde das Jüngste Gericht erneut einer außerordentlichen konservatorischen Wartung unterzogen.

Mein Körper als Werkzeug

Meine Arbeit war körperlich.

Beim Bildhauen schlug ich unzählige Male mit Hammer und Meißel auf Marmor. Beim Freskomalen arbeitete ich unter schwierigen Bedingungen auf Gerüsten und musste den frischen Putz bearbeiten, bevor er trocknete.

Kunst der Renaissance entstand nicht nur aus Inspiration. Sie bedeutete Material, Staub, Gewicht, Zeitdruck und körperliche Belastung.

Hinter einem scheinbar perfekten Kunstwerk standen oftmals Jahre harter körperlicher Arbeit.

Die Medici-Kapellen – Architektur und Skulptur als Einheit

In Florenz erhielt ich später erneut große Aufträge aus dem Umfeld der Medici.

Für die Medici-Kapellen entwarf ich die sogenannte Sagrestia Nuova.

Hier verband ich Architektur und Bildhauerei zu einem einzigen Raum.

Zu den berühmtesten Skulpturen gehören:

  • Tag
  • Nacht
  • Morgen
  • Abend
  • Lorenzo, Herzog von Urbino
  • Giuliano, Herzog von Nemours
  • Madonna mit Kind

Die Figuren des Tagesverlaufs können zugleich als Bilder von Zeit, Vergänglichkeit und Tod gelesen werden.

Meine geheime Kammer in Florenz

Unter den Medici-Kapellen befindet sich ein kleiner Raum, der heute häufig als Michelangelos geheimes Zimmer bezeichnet wird.

An seinen Wänden wurden zahlreiche Zeichnungen entdeckt, die Michelangelo und seinem Umfeld zugeschrieben werden.

Vermutlich hielt ich mich hier zeitweise verborgen, nachdem sich die politischen Verhältnisse in Florenz erneut verändert hatten.

Heute kann dieser außergewöhnliche Raum nur unter besonderen Bedingungen und mit Reservierung besucht werden.

Florenz, Republik und Medici – ich geriet zwischen die Fronten

Meine Beziehung zur Familie Medici war kompliziert.

Lorenzo de’ Medici hatte meine frühe Karriere gefördert. Später arbeitete ich für Mitglieder derselben Familie.

Gleichzeitig unterstützte ich während der politischen Konflikte auch die Republik Florenz.

Als die Stadt sich auf eine mögliche Belagerung vorbereitete, arbeitete ich sogar an ihren Befestigungsanlagen.

Kunst, Politik und persönliche Loyalität ließen sich im Florenz meiner Zeit kaum voneinander trennen.

Ich arbeitete für die mächtigsten Männer meiner Zeit

Im Laufe meines langen Lebens arbeitete ich unter mehreren Päpsten und für Angehörige der Medici-Familie.

Zu meinen wichtigsten päpstlichen Auftraggebern gehörten:

  • Papst Julius II.
  • Papst Leo X.
  • Papst Clemens VII.
  • Papst Paul III.
  • Papst Paul IV.
  • Papst Pius IV.

Diese Männer waren nicht ausschließlich religiöse Oberhäupter. Die Päpste der Renaissance waren gleichzeitig politische Herrscher des Kirchenstaates und Akteure europäischer Machtpolitik.

Meine größten Werke entstanden deshalb häufig in unmittelbarer Nähe zu politischer und religiöser Macht.

Macht, Geld und Kunst

Große Renaissance-Kunst brauchte große Auftraggeber.

Marmor musste gekauft und transportiert werden. Werkstätten mussten bezahlt werden. Gebäude, Grabmäler und Fresken benötigten enorme finanzielle Mittel.

Künstler wie ich konnten deshalb außergewöhnlichen Ruhm erreichen, blieben aber gleichzeitig von Päpsten, Fürsten, Stadtregierungen und mächtigen Familien abhängig.

Gleichzeitig verschaffte uns unser Ruhm selbst Macht. Ein begehrter Künstler konnte verhandeln, Aufträge ablehnen, Preise fordern oder seine Vorstellungen durchsetzen.

Wer war also tatsächlich abhängig von wem?

Der Künstler vom Mäzen – oder der Mäzen vom Genie, das seinen politischen und religiösen Anspruch für Jahrhunderte sichtbar machen sollte?

Der Petersdom – mein größtes Architekturprojekt

Im hohen Alter übernahm ich eine Aufgabe, die noch größer war als viele meiner Skulpturen: den Weiterbau des Petersdoms in Rom.

Mehrere Architekten hatten zuvor an der neuen Basilika gearbeitet. Ich vereinfachte bestehende Pläne und entwickelte die zentrale Architektur weiter.

Besonders prägend wurde mein Entwurf für die große Kuppel.

Ich erlebte ihre vollständige Fertigstellung nicht mehr. Doch spätere Architekten bauten auf meinem Entwurf auf.

Noch heute bestimmt die Kuppel des Petersdoms die Silhouette des Vatikans.

Ich war auch Dichter

Weniger bekannt ist, dass ich zahlreiche Gedichte schrieb.

Meine Sonette und Madrigale handeln von Liebe, Schönheit, Kunst, Vergänglichkeit, Schuld und Glauben.

Besonders bedeutend waren meine Beziehungen zu Menschen wie Tommaso de’ Cavalieri und Vittoria Colonna.

Ihnen widmete ich Gedichte und Zeichnungen beziehungsweise führte einen intensiven geistigen Austausch mit ihnen.

Mein persönliches Leben

Ich heiratete nie und hinterließ keine bekannten eigenen Kinder.

Mein Leben war stark von meiner Arbeit, meiner Familie, meinen Auftraggebern und meinen persönlichen Beziehungen geprägt.

Besonders meine Gedichte an Tommaso de’ Cavalieri führten später zu Diskussionen über meine Gefühle und meine Sexualität.

Die Quellen zeigen starke emotionale Bindungen, lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres mit modernen Identitätsbegriffen gleichsetzen.

Sicher ist: Liebe, Schönheit und körperliche Form beschäftigten mich nicht nur als Künstler, sondern auch als Dichter.

Mein Verhältnis zu Religion

Religion war für mich nicht nur ein Thema, das Auftraggeber verlangten.

Besonders im Alter wurde mein Glaube zunehmend persönlich und beschäftigte mich intensiv.

Tod, Erlösung und die Beziehung zwischen Mensch und Gott tauchen immer stärker in meinen Gedichten und späten Skulpturen auf.

Meine späten Pietà-Gruppen wirken deshalb völlig anders als der selbstbewusste David meiner Jugend.

Die Rondanini-Pietà – mein letztes Werk

In meinen letzten Lebensjahren arbeitete ich immer wieder an der sogenannten Rondanini-Pietà.

Sie ist völlig anders als meine berühmte frühe Pietà im Petersdom.

Die Körper wirken lang, schmal und teilweise unvollendet. Perfekte Anatomie scheint nicht mehr das wichtigste Ziel zu sein.

Stattdessen entsteht ein stilles, beinahe immaterielles Bild von Tod, Trauer und Erlösung.

Ich arbeitete noch wenige Tage vor meinem Tod an dieser Skulptur.

Heute befindet sie sich im Castello Sforzesco in Mailand.

Meine letzten Jahre

Ich blieb bis ins hohe Alter aktiv.

Noch mit über achtzig Jahren beschäftigte ich mich mit Architektur, Zeichnungen, Dichtung und Skulptur.

Rom war längst zu meinem wichtigsten Lebensmittelpunkt geworden. Trotzdem blieb meine Verbindung zu Florenz bestehen.

Mein Tod und meine Rückkehr nach Florenz

Ich starb am 18. Februar 1564 in Rom im Alter von 88 Jahren.

Doch meine Geschichte endete dort nicht.

Mein Leichnam wurde nach Florenz gebracht. Dort erhielt ich ein monumentales Grabmal in der Basilica di Santa Croce .

Giorgio Vasari entwarf das Grabmal.

Damit kehrte ich nach meinem Tod symbolisch in die Stadt zurück, in der meine Karriere begonnen hatte.

🗺️ Auf meinen Spuren – Michelangelo entdecken

Meine Biografie lässt sich heute beinahe wie eine Reise erleben. Viele meiner wichtigsten Werke befinden sich noch an den Orten, für die sie geschaffen wurden, oder in Museen in Florenz und Rom.

① Caprese Michelangelo – meine Geburt

Meine Reise beginnt in der Toskana. Hier wurde ich am 6. März 1475 geboren.

Die kleine Gemeinde trägt heute sogar meinen Namen: Caprese Michelangelo.

② Casa Buonarroti – Florenz

Wer meine frühen Werke kennenlernen möchte, sollte die Casa Buonarroti besuchen.

Dort befinden sich unter anderem:

  • Madonna an der Treppe
  • Schlacht der Kentauren
  • Zeichnungen und Dokumente meiner Familie

→ Casa Buonarroti entdecken

③ Galleria dell’Accademia – Florenz

Hier steht heute das Original meines berühmten David.

Außerdem befinden sich dort mehrere meiner unvollendeten Gefangenen-Skulpturen.

→ Michelangelos David entdecken

④ Piazza della Signoria – Florenz

Vor dem Palazzo Vecchio stand mein David ursprünglich.

Heute befindet sich dort eine Kopie, die an den historischen Standort erinnert.

Hier wird besonders deutlich, dass der David nicht nur Kunstwerk, sondern auch politisches Symbol der Republik Florenz war.

⑤ Uffizien – Florenz

In den Uffizien befindet sich mein berühmtes Doni-Tondo.

Florenz verbindet meine Geschichte außerdem unmittelbar mit zwei weiteren berühmten Künstlern:

→ Leonardo da Vinci – Leben und Werke

→ Sandro Botticelli – Leben und Werke

⑥ Medici-Kapellen – Florenz

Die Sagrestia Nuova gehört zu meinen bedeutendsten Kombinationen aus Architektur und Bildhauerei.

Dort befinden sich unter anderem Tag, Nacht, Morgen und Abend sowie die monumentalen Medici-Grabmäler.

→ Medici-Kapellen entdecken

⑦ Santa Croce – Florenz

In der Basilica di Santa Croce befindet sich mein monumentales Grabmal.

Wer meine Reise durch Florenz verfolgt, kann damit meinen Lebensweg vom jungen Künstler bis zu meiner letzten Ruhestätte nachvollziehen.

→ Michelangelos Grab in Santa Croce entdecken

⑧ Petersdom – Vatikanstadt

Im Petersdom begegnen sich gleich zwei wichtige Teile meiner Karriere.

Hier befindet sich meine berühmte Pietà.

Jahrzehnte später prägte ich als Architekt den Neubau des Petersdoms und insbesondere die Gestaltung seiner monumentalen Kuppel.

→ Michelangelos Pietà im Petersdom entdecken

⑨ Sixtinische Kapelle – Vatikanstadt

Hier befinden sich zwei meiner größten Werke:

  • die Decke der Sixtinischen Kapelle
  • das Jüngste Gericht

Allein dieser Raum zeigt mehrere Jahrzehnte meiner künstlerischen Entwicklung.

→ Sixtinische Kapelle entdecken

Jahrzehnte vor mir arbeitete hier bereits Sandro Botticelli an den Wandfresken der Kapelle.

⑩ San Pietro in Vincoli – Rom

Hier befindet sich mein berühmter Moses, geschaffen für das Grabmal Papst Julius’ II.

Das Werk erinnert zugleich an eines der kompliziertesten und längsten Projekte meiner Karriere.

→ Michelangelos Moses entdecken

⑪ Castello Sforzesco – Mailand

Meine Reise endet mit einem meiner letzten Werke.

Im Castello Sforzesco befindet sich heute die Rondanini-Pietà.

An dieser Skulptur arbeitete ich noch wenige Tage vor meinem Tod.

Meine wichtigsten Werke und ihre heutigen Standorte

Werk Heutiger Standort
David Galleria dell’Accademia, Florenz
Pietà Petersdom, Vatikanstadt
Moses San Pietro in Vincoli, Rom
Decke der Sixtinischen Kapelle Sixtinische Kapelle, Vatikanstadt
Die Erschaffung Adams Sixtinische Kapelle, Vatikanstadt
Das Jüngste Gericht Sixtinische Kapelle, Vatikanstadt
Doni-Tondo Uffizien, Florenz
Madonna an der Treppe Casa Buonarroti, Florenz
Schlacht der Kentauren Casa Buonarroti, Florenz
Tag, Nacht, Morgen und Abend Medici-Kapellen, Florenz
Sterbender Sklave Louvre, Paris
Rebellischer Sklave Louvre, Paris
Brügger Madonna Liebfrauenkirche, Brügge
Rondanini-Pietà Castello Sforzesco, Mailand

Eine Reise auf meinen Spuren

Wer meine Geschichte wirklich erleben möchte, kann aus meiner Biografie eine außergewöhnliche Kunstreise machen.

Die Route beginnt in Caprese Michelangelo und führt anschließend nach Florenz.

Dort lassen sich die Casa Buonarroti, der David in der Accademia, die Piazza della Signoria, die Uffizien, die Medici-Kapellen und schließlich mein Grab in Santa Croce besuchen.

Danach führt meine Geschichte weiter nach Rom und in den Vatikan.

Dort begegnen Besucher meiner Pietà im Petersdom, meiner Architektur am Petersdom, Moses in San Pietro in Vincoli und schließlich der Decke und dem Jüngsten Gericht in der Sixtinischen Kapelle.

Wer noch weiterreisen möchte, findet meine Werke außerdem in Paris, Brügge und Mailand.

So wird aus meiner Biografie eine Reise durch fast neun Jahrzehnte Renaissancekunst.

Meine Bedeutung für die Renaissance

Ich lebte in einer Zeit, in der sich die Vorstellung vom Künstler grundlegend veränderte.

Künstler waren nicht mehr ausschließlich Handwerker, die Aufträge ausführten.

Einige von uns wurden zu berühmten Persönlichkeiten, deren Namen selbst zu einem Teil des Wertes eines Kunstwerks wurden.

Zusammen mit Leonardo da Vinci und anderen Künstlern der Hochrenaissance verkörpere ich bis heute die Vorstellung vom Renaissance-Künstler als schöpferischer Persönlichkeit.

Meine Skulpturen veränderten die Darstellung des menschlichen Körpers. Meine Fresken beeinflussten Generationen von Malern. Meine Architektur prägte Rom und Florenz.

Mein Vermächtnis

Ich war Michelangelo Buonarroti – Bildhauer, Maler, Architekt und Dichter.

Ich arbeitete für Republiken, mächtige Familien und Päpste.

Ich schuf den David, die Pietà, Moses, die Decke der Sixtinischen Kapelle, das Jüngste Gericht und prägte die Architektur des Petersdoms.

Mein Leben war geprägt von harter Arbeit, Ehrgeiz, Konflikten, Glauben und einer beinahe kompromisslosen Beziehung zur Kunst.

Viele meiner Werke entstanden im Auftrag der mächtigsten Menschen meiner Zeit. Trotzdem tragen sie eine Handschrift, die bis heute unverwechselbar geblieben ist.

Vielleicht liegt genau darin mein Vermächtnis: aus Stein Körper werden zu lassen, aus Farbe Bewegung und aus einem Auftrag etwas zu schaffen, das seinen Auftraggeber um Jahrhunderte überlebt.

Weitere Künstler der Renaissance entdecken

Meine Geschichte ist nur ein Teil einer Epoche, in der außergewöhnliche Künstler, Bildhauer, Architekten und Denker die europäische Kultur veränderten.

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